Karriere-Ende: Fünf Momente mit Bastian Schweinsteiger, die wir nicht vergessen werden

Nach 17 Jahren im Profifußball hat Bastian Schweinsteiger sein Karriereende bekanntgegeben. Das Spiel mit dem US-Verein Chicago Fire bei Orlando City (5:2) war das letzte seiner Laufbahn, teilte Schweinsteiger mit. Im Alter von 35 Jahren hängt einer der größten und erfolgreichsten deutschen Fußballer seine Schuhe an den Nagel.

121 Länderspiele, 342 Bundesligaspiele, achtmal Deutscher Meister, siebenmal DFB-Pokalsieger, Gewinner der Champions League und der Europa League und 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft auch Weltmeister – das sind die Eckdaten, die Schweinsteigers Karriere zusammenfassen. Zu seinem Karriereende aber schießen den meisten Fans weniger diese Zahlen durch den Kopf als viele spezielle Momente, für die Schweinsteiger während seiner Karriere sorgte. Wir haben fünf zusammengetragen.

1. Die Cousine im Whirlpool

Schweinsteiger hatte beim FC Bayern, für den er seit der Jugend bis zum Jahr 2015 insgesamt 17 Jahre lang spielte, viele extravagante Kollegen, die gern für den einen oder anderen Skandal sorgten. Doch auch Schweinsteiger war zumindest in seinen jungen Jahren – in einer Zeit, als ihn jeder noch „Schweini“ nannte – mitunter kein Kind von Traurigkeit. Eine Episode verbinden viele Fans sofort mit seinem Namen: 2002, als Schweinsteiger gerade zur Profimannschaft gestoßen war, wurde er nachts mit weiblicher Begleitung im Bayern-Whirlpool erwischt. Schweinsteiger redete sich damit heraus, er habe seiner Cousine den Profitrakt zeigen wollen. Der damalige Trainer Ottmar Hitzfeld drückte ein Auge zu und verzichtete auf eine Geldstrafe.Bastian Schweinsteiger beendet Fußball-Karriere

2. Schweini und Poldi – ziemlich beste Freunde

Sie waren die Gesichter des Sommermärchens 2006: Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski strahlten in jenem deutschen WM-Sommer mit der Sonne um die Wette und überzeugten auch auf dem Platz mit Spielfreude und Tempo. Gemeinsam verkörperten sie den neuen Spaß am DFB-Team, der die Zeit des Rumpelfußballs beendete. Schweinsteiger und Podolski hatten beide schon die EM 2004, bei der Deutschland in der Vorrunde ausgeschieden war, als Nachwuchsspieler miterlebt. Mit ihnen begann eine neue Ära in der jüngeren DFB-Geschichte.

Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski bei der WM 2006
© Herbert Rudel

3. Der verschossene Elfmeter im „Finale dahoam“

Es war der große Traum für Bastian Schweinsteiger: Im „Finale dahoam“ wollte der Ur-Bayer in der Münchner Allianz Arena mit dem FC Bayern endlich die Champions League gewinnen. Dass es 2012 aber noch nichts mit dem heißersehnten Titel wurde, lag im Endspiel zu einem großen Teil auch an Schweinsteiger selbst. Ausgerechnet er scheiterte gegen den FC Chelsea im Elfmeterschießen am Pfosten. Hinterher war er so niedergeschlagen, dass er bei der Medaillenübergabe selbst die ausgestreckte Hand des Bundespräsidenten Joachim Gauck übersah. Den Champions-League-Pokal durften Schweinsteiger und die Bayern ein Jahr später in die Höhe stemmen.

Bastian Schweinsteiger nach seinem verschossenen Elfmeter im Champions-League-Finale
© firo Sportphoto/

4. Die „Chefchen“-Affäre

Von Anfang an war Bastian Schweinsteiger es gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen und von dieser oft auch kritisch wahrgenommen zu werden. Eine Schlagzeile aber ärgerte ihn besonders: Die Zeitschrift „Sport Bild“ betitelte ihn 2011 abwertend als „Chefchen“. Schweinsteiger bringe in den wichtigen Spielen nicht seine Leistung und sei kein Führungsspieler, bemängelte das Blatt. Der Bayern-Spieler reagierte mit einem Wutausbruch auf einer Pressekonferenz und bezeichnete den Reporter als „Pisser“ und „Arschloch“. Auch der Verein widersprach in einer Pressemitteilung. Im Nachhinein gesehen gab Schweinsteiger die Antwort auf dem Platz. Nach dem WM-Titel 2014 zog „Sport Bild“ die Bezeichnung offiziell zurück – ab da galt Schweinsteiger überall uneingeschränkt als Chef auf und neben dem Platz.

5. Blutend zum WM-Titel

Sein wichtigstes Spiel war auch sein bestes. Im WM-Finale 2014 lieferte Bastian Schweinsteiger nicht nur fußballerisch, sondern vor allem kämpferisch eine beeindruckende Leistung. Nach einem Schlag seines argentinischen Gegenspielers Sergio Agüero spielte der DFB-Kapitän mit einer notdürftig verbundenen Platzwunde zu Ende, in der Verlängerung plagten ihn Krämpfe.

© Foto RAUCHENSTEINER/

So wurde Schweinsteiger in jener Nacht von Rio de Janeiro endgültig zum Sinnbild der vielzitierten deutschen Tugenden und zum Helden, der auch die letzten Kritiker überzeugte. Als Lohn durfte er nach dem Spiel den WM-Pokal entgegennehmen – der Höhepunkt einer bewegten und bewegenden Karriere.

Quelle: stern.de