Enttäuschendes Tennis-Jahr: Kerber beendet Saison – Trainer-Lösung noch immer nicht fix

Angelique Kerber hat ihr enttäuschendes Tennis-Jahr vorzeitig beendet. Wie das Management der deutschen Nummer eins bestätigte, wird die 31 Jahre alte Kielerin in diesem Jahr kein weiteres Turnier mehr bestreiten.

Die Teilnahme an der WTA-Veranstaltung in Luxemburg in dieser Woche hatte die dreimalige Grand-Slam-Turniersiegerin aufgrund einer Beinverletzung abgesagt. In der zu Ende gehenden Saison wäre noch eine Reise zur WTA Elite Trophy im chinesischen Zhuhai möglich gewesen, einer Art B-WM. Die WTA Finals – den Jahresabschluss der besten acht Spielerinnen der Saison – hatte Kerber verpasst.

Bis zum Start der Vorbereitung auf die neue Saison Mitte oder Ende November wird sich die Weltranglisten-13. nun eine Auszeit gönnen. Bis zum Trainingsauftakt werde auch der neue Trainer feststehen, teilte Kerbers Management mit.

Nach dem frühen Zweitrunden-Aus in Wimbledon hatte sich Kerber von Coach Rainer Schüttler getrennt und war zuletzt von Dirk Dier als Interimstrainer betreut worden. Die ehemalige Nummer eins der Tennis-Welt beschließt die Saison damit mit zwei Finalteilnahmen in Indian Wells und Eastbourne, aber ohne einen Turniersieg.

Quelle: stern.de

Ironman: Aus und vorbei: Weltmeister Lange gibt in Hawaii auf

Patrick Lange stützte sich auf seinem Lenker ab, der Kopf ging nach unten. Lange rollte noch mal ein paar Meter auf dem Standstreifen, dann stieg er von seinem Rad. Der zweimalige Weltmeister hat beim Ironman auf Hawaii vorzeitig aufgegeben.

Kein Sturz, offensichtlich auch kein Defekt am Rad. Die Gründe, warum Lange nach rund 70 Kilometern auf der Radstrecke auf einmal aus seiner Aeroposition ging, abrupt abbremste und rechts ran fuhr, blieben zunächst unklar. Lange wollte nach seinen Triumphen 2017 und 2018 den WM-Hattrick schaffen.

Stattdessen hielt offensichtlich einer seiner Betreuer den 33 Jahre alten Triathleten aus Bad Wildungen zunächst fest und redete mit ihm, ehe der völlig enttäuschte und aufs bitterste entthronte Titelverteidiger einige Meter mit seinem Rad auf einen nahe gelegenen Parkplatz fuhr und auf den Beifahrersitz eines weißen Pkw stieg. In dem Moment kam auch das Medical Car. Informationen zu Lange gab es von offizieller Seite zunächst nicht.

Dabei war Lange super in das Rennen gestartet. Er konnte beim Schwimmen über 3,86 Kilometer Schwimmen im Pazifik mit deutlichem Wellengang völlig überraschend mit der Spitze mithalten. Er war mit lediglich neun Sekunden auf den zweimaligen Champion und Schwimmzweiten Jan Frodeno an Land gekommen.

Auf der insgesamt 180,2 Kilometer langen Radstrecke lief es zunächst auch noch ordentlich für Lange. Der Rückstand auf die stärkeren Radfahrer hielt sich bei äußerst kräftezehrenden Bedingungen mit heftigem Wind in Grenzen. Dann stieg Lange auf einmal aus. Seine Laufstärke konnte er beim abschließenden Marathon nicht mehr ausspielen.

Damit setzte sich eine Serie von Enttäuschungen für Lange in diesem Jahr fort. Nach seinem Sieg bei einem Rennen über die halbe Ironman-Distanz zu Saisonbeginn in Vietnam, war das Heimrennen bei der Ironman-EM in Frankfurt/Main durch ein Reifenschaden und Magenprobleme zu einem schweren Rückschlag geworden. Auch bei der Halb-Ironman-EM in Nizza rund einen Monat vor Hawaii war Lange chancenlos geblieben. Vor einem Jahr hatte er in Kailua-Kona noch als erster überhaupt die WM in unter acht Stunden gewonnen.

Quelle: stern.de

Heim-Weltmeisterschaften: Seitz und Klessing verpassen Medaille

Die deutsche Top-Turnerin Elisabeth Seitz hat bei den Heim-Weltmeisterschaften in Stuttgart eine krönende Medaille verpasst. Die 25-Jährige riskierte im Gerätefinale am Stufenbarren alles, musste aber bei einer Verbindung vom oberen zum unteren Holm an ihrem Lieblingsgerät absteigen.

Durch den Abzug von mindestens einem Punkt bekam Seitz nur 13,566 Zähler und wurde damit Achte und Letzte im Finalfeld. «In diesem Finale, indem mit Ausgangswerten nur so um sich geschmissen wurde, musste ich alles riskieren. Ich wollte die Verbindung unbedingt turnen», sagte Seitz etwas enttäuscht in der ARD.

Damit reichte es für die Stuttgarterin, die im Mehrkampf-Finale Sechste geworden war, nach Barren-Bronze bei der WM 2018 in Doha nicht zum zweiten WM-Edelmetall. Weltmeisterin wurde erneut die Belgierin Nina Derwael (15,233 Punkte) vor der Britin Rebecca Downie (15,000) und der erst 16-jährigen US-Turnerin Sunisa Lee (14,800). «Über Platz fünf mit einer sicheren Übung hätte sie sich auch nicht gefreut», befand Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen über Seitz, die dennoch stolz auf ihre WM-Auftritte war und hervorragende Werbung für ihren Sport machte.

Nick Klessing verkaufte sich im Ringe-Finale teuer, brachte seine Übung gut durch, musste aber einen kleinen Schritt nach seinem dreifachen Salto als Abgang machen. Der 21 Jahre alte Hallenser belegte am Ende mit 14,166 Punkten wie Seitz Rang acht. Den ersten WM-Titel für die Türkei erturnte sich Ibrahim Colak, der vor Marco Lodadio (Italien) und dem Franzosen Samir Ait Said siegte.

US-Superstar Biles landete ihren 17. WM-Gold-Coup. Die 22 Jahre alte Texanerin ließ der Konkurrenz am Sprungtisch mit der Durchnittsnote von 15,399 Punkten nach zwei Sprüngen nicht den Hauch einer Chance. Damit hatte Biles bereits den Medaillenrekord der Weißrussen Witali Scherbo eingestellt, der es einst auch auf 23 WM-Plaketten brachte. Nun kann Biles am Sonntag in den weiteren Finals am Balken und Boden auch diese Bestmarke knacken. Am Schlusstag hoffen Sarah Voss am Balken und Lukas Dauser im Barren-Finale auf Edelmetall.

Der erst 19 Jahre alte Boden-Spezialist Edriel Carlos Yulo gewann als erster Philippiner WM-Gold und schrieb damit Turngeschichte seines Landes. Der kleine Wirbelwind setzte sich mit 15,300 Punkten gegen Artem Dolgopiat (Israel) und dem Chinesen Xiao Ruoteng durch. Am Pauschenpferd brannte der Brite Max Whitlock mit einem Schwierigkeitsgrad von 7,0 ein Feuerwerk ab. Mit 15,500 Punkten legte der zweifache Olympiasieger von Rio die Messlatte extrem hoch: Ihm am nächsten in einem Finale mit extrem hohem Niveau kamen Lee Chih Kai (Taiwan/15,433) und Europameister Rhys McClenaghan (Irland/15,400).

Quelle: stern.de

EM-Qualifikation: Löw warnt in Tallinn: «Kein Selbstläufer» – Gündogan beginnt

Eine kleine Warnung an seine locker und lässig auftretende neue Spielergeneration um Torgarant Serge Gnabry hatte der Bundestrainer in Tallinn doch noch parat.

«Das wird ein Spiel, das über Konzentration und Seriosität gewonnen werden muss. Das ist kein Selbstläufer», erklärte der Bundestrainer einen Tag vor der EM-Qualifikationspartie am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) beim krassen Außenseiter Estland: «Wir dürfen uns in der Gruppe überhaupt keine Punktverluste mehr leisten.» Löw hat aber auch nach dem rund 1500 Kilometer langen Flug von Dortmund nach Tallinn keine Anzeichen dafür erkannt, dass sein Team nur mit halber Kraft agieren könnte.

Bei der Rückreise nach Deutschland am Montag will der 59-Jährige die drei Punkte im Gepäck haben, um in den dann noch zwei anstehenden EM-Qualifikationspartien gegen Weißrussland und Nordirland im November mindestens den zweiten Platz und damit das Direktticket zur paneuropäischen Endrunde fix machen zu können. Derzeit haben in der Gruppe C die Niederlande, Deutschland und die Nordiren jeweils zwölf Punkte. Platz eins kann das Löw-Team durch den verlorenen direkten Vergleich mit den Holländern nicht mehr aus eigener Kraft erreichen.

In der kleinen A. Le Coq Arena – Namensgeber ist eine estnische Brauerei – wird im Mittelfeld Ilkay Gündogan nach Verletzungspause in die Startelf rücken, wie Löw am Samstag in der estnischen Hauptstadt ankündigte: «Ilkay wird von Anfang an spielen.» Auch der Dortmunder Marco Reus, der beim jüngsten 2:2 im Test gegen Argentinien gefehlt hatte, soll nach überwundenen Kniebeschwerden auflaufen. Für die endgültige Besetzung der Offensive wollte Löw noch letzte «Eindrücke» beim Abschlusstraining sammeln. Einsatzfähig ist wieder der Leipziger Timo Werner nach einer Grippe – und damit eine Option im Angriff.

Dass nach dem Ausfall von Hertha-Verteidiger Niklas Stark nur 19 Spieler zur Verfügung stehen, sollte für den viermaligen Weltmeister gegen die Nummer 102 der Weltrangliste kein Problem darstellen. «Das reicht für das Spiel allemal», betonte Löw. Beim Hinspiel im März in Mainz hatten Manuel Neuer und Kollegen die Esten mit 8:0 deklassiert. Doch auch der erfahrene Kapitän, der für den gegen Argentinien eingesetzten Marc-André ter Stegen wieder ins Tor rückt, mahnte sicherheitshalber noch einmal. «Ich erwarte von uns, das wir eine hochkonzentrierte Vorstellung abliefern», betonte Neuer.

Löws Stammtorhüter 1 möchte von seinen Vorderleuten ein «schnelles Spiel» hinter die gegnerische Abwehr sehen, «damit wir so schnell wie möglich zu guten Torabschlüssen» und damit auf die Siegerstraße kommen. «Auch gegen solche Mannschaften muss man sich erst einmal Torchancen herausarbeiten», ergänzte DFB-Chefcoach Löw.

«Sie werden sehr defensiv spielen», bemerkte Bayern-Stürmer Gnabry als derzeit gefährlichster Akteur. Das will der 24-Jährige auch in Tallinn beweisen und seinen zehn Toren in elf Länderspielen möglichst weitere hinzufügen: «Ich habe gerade einen super Lauf. Da gehört viel Arbeit dazu, man darf nicht lockerlassen.» Denn eine Garantie auf Dauer gebe es auch für ihn nicht. «Ich muss mich immer wieder neu beweisen. Wenn ich drei Spiele absolute Kacke spiele, würden andere die Spielzeit bekommen», sagte der Münchner.

Die kleinen Fortschritte beim Kontrahenten unter Karel Voolaid, der nach dem 0:8 in Deutschland Estlands Rekord-Nationalspieler Martin Reim als Nationalcoach abgelöst hatte, hat Löw registriert. In dieser Woche holte Punktelieferant Estland mit einem 0:0 in Weißrussland den ersten Zähler in der laufenden EM-Ausscheidung. «Estland wird sicherlich viel Widerstand leisten», sagte der Dortmunder Julian Brandt: «Aber wir wissen ja, was wir können.»

Der Ausfall von immer noch zwölf EM-Kandidaten ist eine weitere Chance für Nachrücker. Emre Can (Juventus Turin) oder der gegen Argentinien debütierende Robin Koch (SC Freiburg) könnten erneut in die Abwehrkette rücken. Das Leverkusener Juwel Kai Havertz darf sich wohl wieder im zentralen Mittelfeld beweisen. Jeder einzelne Spieler hat bei jedem Länderspiel schon die EM 2020 im Hinterkopf. «Natürlich ist es mein Ziel, nach einer erfolgreichen Qualifikation auch bei der EM zu spielen», sagte etwa der Leipziger Lukas Klostermann.

Quelle: stern.de

WTA-Turnier: Petkovic scheitert in Linz im Halbfinale

Andrea Petkovic hat ihr erstes Tennis-Endspiel auf der WTA-Tour seit mehr als viereinhalb Jahren verpasst. Die deutsche Fed-Cup-Spielerin verlor im Halbfinale von Linz 4:6, 4:6 gegen das erst 15 Jahre alte US-Top-Talent Coco Gauff.

Für die einstige Top-Ten-Spielerin aus Darmstadt, derzeit noch die Nummer 75 der Welt, ist die Halbfinalteilnahme in Österreich trotzdem der größte Erfolg in der bald zu Ende gehenden Saison.

Die 32-Jährige verlor beim Stand von 4:4 im ersten Satz ihr Aufschlagspiel und kurz danach auch den Durchgang. Die Möglichkeit, Gauff zu Anfang des zweiten Satzes das Service abzunehmen, wehrte die Aufsteigerin dieser Saison mit bemerkenswerter Klasse und Abgeklärtheit ab. Dagegen gab Petkovic trotz großer Gegenwehr ihren Aufschlag zum 2:3 ab, verpasste danach den möglichen Ausgleich zum 5:5 und musste sich trotz guter Leistung nach 1:32 Stunden geschlagen geben.

Gauff bestreitet am Sonntag gegen die frühere French-Open-Siegerin Jelena Ostapenko aus Lettland oder die Russin Jekaterina Alexandrowa das erste Finale ihrer noch jungen Karriere auf der WTA-Tour. Dabei war die Wimbledon-Achtelfinalistin eigentlich in der Qualifikation an der Deutschen Tamara Korpatsch gescheitert, sie rückte jedoch nachträglich als sogenannter Lucky Loser ins Hauptfeld.

Quelle: stern.de

Tennis-Masters-Turnier: Zverev erreicht Endspiel von Shanghai

Der Hamburger Alexander Zverev hat souverän das Finale des Tennis-Turniers in Shanghai erreicht und steht zum sechsten Mal im Endspiel bei einer Veranstaltung der Masters-Serie.

Der 22-Jährige siegte 6:3, 6:4 gegen den Italiener Matteo Berrettini und trifft am Sonntag auf US-Open-Finalist Daniil Medwedew aus Russland. Zverev schaffte mit dem Sieg über Berrettini zugleich einen wichtigen Erfolg über einen seiner Verfolger im Rennen um die Qualifikation für die ATP Finals der besten acht Profis der Saison. Dort hatte der derzeitige Weltranglisten-Sechste im vorigen November in London den Titel geholt.

Gegen Berrettini konnte sich Zverev einen Tag nach dem großen Auftritt gegen Roger Federer erneut auf seinen wiedererstarkten Aufschlag verlassen. Bei eigenem Service gestattete er dem 23 Jahre alten Weltranglisten-13. kaum eine Chance. Ein frühes Break im ersten Satz und ein weiteres zum 5:4 im zweiten Durchgang genügten gegen den Turniersieger von Stuttgart und Finalist von München zum ungefährdeten Erfolg. Ein Ass bescherte Zverev den Sieg.

Zuvor gewann Medwedew im ersten Halbfinale des mit 8,3 Millionen dotierten Turniers 7:6 (7:5), 7:5 gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas. Der Weltranglisten-Vierte erreichte damit bereits beim sechsten Turnier in Folge das Endspiel, dazu zählt das Finale der US Open, das der 23-Jährige knapp gegen Rafael Nadal verloren hatte. Zverev hat gegen Medwedew alle vier bisherigen Vergleiche gewonnen.

Quelle: stern.de

Kantersieg gegen San Marino: Belgien als erstes Team für EM 2020 qualifiziert

Die Fußball-Nationalmannschaft von Belgien hat sich als erste Nation vorzeitig für die Europameisterschafts-Endrunde 2020 qualifiziert.

Nach dem 9:0 (6:0)-Erfolg über San Marino kann der WM-Halbfinalist von 2018 nach dem siebten Sieg im siebten Spiel der Gruppe I nicht mehr von einem der ersten beiden Ränge verdrängt werden, die zur direkten Qualifikation berechtigen.

Auch Russland steht nach dem 4:0 (0:0)-Erfolg über Schottland mit nunmehr 18 Punkten kurz vor der Qualifikation für das kontinentale Turnier, das im kommenden Jahr in zwölf Ländern ausgetragen wird. Zypern besitzt als Drittplatzierter mit zehn Punkten nach dem 2:1 (0:0)-Sieg in Kasachstan nur noch theoretische Chancen.

Im König-Baudouin-Stadion von Brüssel hatte Belgiens Mannschaft von Trainer Roberto Martinez nur in der ersten halben Stunde Probleme. Dann schossen Romelu Lukaku (28., 41.), Nacer Chadli (31.), Cristian Brolli (35.) per Eigentor sowie Tobi Alderweireld (43.) und Youri Tielemans (45.) schon bis zur Pause einen beruhigenden Vorsprung heraus. In der Schlussphase erhöhten die Gastgeber dann noch mit drei weiteren Treffern.

Quelle: stern.de

Gegen Kambodscha: Erstmals seit 40 Jahren: Frauen durften im Iran ins Stadion – und erlebten gleich ein Fußballfest

Irans Fußballer um Kapitän Massud Schodschaei gingen nach dem Abpfiff zu den Frauentribünen und bedankten sich bei ihren neugewonnen weiblichen Fans. Zum ersten Mal nach fast 40 Jahren haben Frauen in der Islamischen Republik Iran ungehinderten Zutritt in ein Fußballstadion erhalten. Dort erlebten sie am Donnerstag dann auch gleich ein Tor-Festival ihrer Nationalmannschaft.

Auf das 14:0 (7:0) des Iran gegen die überforderten Kambodschaner reagierten die Frauen mit Ovationen für ihr Team und „Danke Jungs“- Sprechchören. Beim Verlassen des Stadions riefen die Frauen dann alle gemeinsam: „Asadi (Stadion), bleib uns erhalten bis zum nächsten Mal.“ Für das WM-Qualifikationsspiel gegen Kambodscha kamen Medienberichten zufolge zwischen 3500 und 4000 Frauen erstmals mit einem frei zu kaufenden Ticket ins Asadi Stadion in Teheran. 

Ergebnis für die iranischen Frauen zweitrangig

Das Ergebnis und das Spiel waren aber für die Frauen zweitrangig. Für sie war es mehr ein großer Erfolg in ihrem jahrzehntelangen Kampf gegen die strengen islamischen Vorschriften des erzkonservativen Klerus und gegen ihre Diskriminierung im Land. „Der 10. Oktober 2019 wird für immer einen speziellen Platz im Kalender der Frauen haben“, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur IRNA.

Soulstar Joss Stone wird im Iran abgewiesen und schwärmt von den Menschen vorAuch zahlreiche iranische Fußballer hatten sich für die Aufhebung des fast 40-jährigen Stadionverbots eingesetzt, unter ihnen Irans Rekordnationalspieler und ehemaliger Bundesliga-Profi Ali Daei. „Gott sei Dank, dass den Frauen dieses minimale Recht endlich gewährt wurde … obgleich auf Druck der FIFA“, schrieb Daei auf seiner Instagram-Seite. Der Fußball-Weltverband hatte dem Iran indirekt mit einem Ausschluss von der WM 2022 in Katar gedroht, falls Frauen der Zutritt ins Stadion weiterhin verboten werden sollte.

Schon vier Stunden vor dem Spiel kamen die Frauen mit Iran-Flaggen umhüllt und „Victory“-Zeichen im Asadi Sportkomplex an. Einige von ihnen weinten gar vor Glück. Unter dem Hashtag „Komm mit mir ins Stadion“ reflektierten sie mit Bildern und Videos ihren ersten Stadionbesuch – und den damit verbundenen historischen Tabubruch.

Für die Frauen hatte das Sportministerium vier separate Tribünen mit einer Kapazität von ungefähr 4000 Sitzen errichtet. Außerdem wurden extra für die Frauen weibliche Polizisten, Notärzte und Stadionführer eingesetzt. Die Frauen-Tickets war in kürzester Zeit ausverkauft. Daher fordern die Frauen für die nächsten Spiele zumindest zwei weitere Tribünen und ein höheres Ticketkontingent.

Männer und Frauen getrennt auf den Tribünen

Für Kritik sorgten die extra für das Spiel umgebauten Zäune, die die vier Frauentribünen von denen der Männer trennen sollen. „Wollt ihr uns etwa in einen Käfig sperren, um uns vor den Männern zu schützen“, protestierte eine Iranerin auf Twitter. Außerdem fordern sie vom Sportministerium Familien- und nicht nur Frauentribünen, damit auch ihre Ehemänner und Söhne sie begleiten können.

Wegen der Frauen-Premiere war auch das Medieninteresse sehr groß. Es gab jedoch Einschränkungen seitens der Behörden. Weiblichen Fotografen wurden keine Akkreditierungen gewährt, obwohl dies vom Sportministerium vorher versprochen worden war. Die männlichen Fotografen und TV-Teams durften zudem keine Bilder der Frauen vom Betreten des Stadions machen.

Quelle: stern.de

Titelkämpfe in Stuttgart: Turn-Star Biles erneut Mehrkampf-Weltmeisterin

Turn-Königin Simone Biles ist bei der WM in Stuttgart nicht zu stoppen und hat sich den fünften Mehrkampftitel in ihrer noch jungen Karriere gesichert.

Mit 58,999 Punkten distanzierte die 22 Jahre alte Alleskönnerin die versammelte Konkurrenz um Längen. Die Silbermedaille schnappte sich die Chinesin Tang Xijing (56,899) vor Angelina Melnikowa (56,399) aus Russland.

Einen herausragenden Wettkampf zeigte das deutsche Top-Duo Elisabeth Seitz und WM-Debütantin Sarah Voss. Lokalmatadorin Seitz holte als Sechste mit 55,999 Punkten die beste Mehrkampf-Platzierung ihrer Karriere. Die erst 19 Jahre alte Kölnerin Voss belegte mit 54,898 Zählern in dem Weltklassefeld einen ebenfalls ganz starken zehnten Rang.

Die 25-jährige Seitz aus Stuttgart stand bei ihrer achten WM-Teilnahme zum siebten Mal im Einzel-Finale und legte unter dem Jubel der 7500 Fans an ihrem Lieblingsgerät Stufenbarren einen furiosen Start hin. 14,866 Punkte waren der verdiente Lohn für ihre einwandfreie Übung, noch etwas mehr als im Team-Wettkampf. Damit lag Seitz nach dem ersten Durchgang gar auf Platz drei hinter Superstar Biles und der belgischen Barren-Spezialistin Nina Derwael.

Auch die coole Kölnerin Voss begann in ihrer Paradedisziplin am Schwebebalken. Die 19-Jährige bewies bei ihrem WM-Debüt erneut Nervenstärke, leistete sich keinen einzigen Wackler und erhielt mit 13,866 die bis dato höchste Wertung an dem nur zehn Zentimeter breiten Gerät, an dem sie am Sonntag auch im Gerätefinale steht. «Ich werde meine Übung nicht verändern», hatte sie zuvor angekündigt und holte sich so Sicherheit für die übrigen drei Durchgänge. «Das war tadellos», sagte Cheftrainerin Ulla Koch zum Klasse-Auftakt ihres Duos.

Die Bodenfläche war ein wenig zu kurz für Voss, die drei Zehntel Punkte Abzug kassierte, weil sie nach einer Akrobatik einmal mit beiden Füßen außerhalb stand. Gleichwohl war sie mit 12,866 Zählern absolut zufrieden. Während Seitz bestens durch ihre Balken-Übung (13,233) kam, waren am Barren bei der jungen Amerikanerin Sunisa Lee und Melanie de Jesus dos Santos die Medaillenträume beendet. Lee verfehlte nach einem Flugteil den oberen Holm, die Französin musste sogar gleich zweimal absteigen.

Im Vergleich zum Team-Event steigerte sich Voss auch im dritten Durchgang am Sprung (14,500) und lag insgesamt richtig gut im Rennen. Seitz riss mit ihrer Ausstrahlung ihr Heimpublikum auch am Boden (13,300) mit, während ihre Mutter und ihr kleiner Bruder auf der Tribüne mitfieberten. Als Achte ging Seitz ans letzte Gerät und brachte ihren Sprung mit Doppelschraube in den Stand (14,600). Voss beendete den besten Wettkampf ihrer Karriere mit 13,666 Zählern am Barren und war ebenfalls glücklich.

Quelle: stern.de

Politikum: Iran feiert Kantersieg beim ersten Stadionbesuch der Frauen

Irans Fußballer um Kapitän Massud Schodschaei gingen nach dem Abpfiff zu den Frauentribünen und bedankten sich bei ihren neugewonnen weiblichen Fans.

Zum ersten Mal nach fast 40 Jahren haben Frauen in der Islamischen Republik Iran ungehinderten Zutritt in ein Fußballstadion erhalten. Dort erlebten sie dann auch gleich ein Tor-Festival ihrer Nationalmannschaft.

Auf das 14:0 (7:0) des Iran gegen die überforderten Kambodschaner reagierten die Frauen mit Ovationen für ihr Team und «Danke Jungs»- Sprechchören. Beim Verlassen des Stadions riefen die Frauen dann alle gemeinsam: «Asadi (Stadion), bleib uns erhalten bis zum nächsten Mal.» Für das WM-Qualifikationsspiel gegen Kambodscha kamen Medienberichten zufolge zwischen 3500 und 4000 Frauen erstmals mit einem frei zu kaufenden Ticket ins Asadi Stadion in Teheran.

Das Ergebnis und das Spiel waren aber für die Frauen zweitrangig. Für sie war es mehr ein großer Erfolg in ihrem jahrzehntelangen Kampf gegen die strengen islamischen Vorschriften des erzkonservativen Klerus und gegen ihre Diskriminierung im Land. «Der 10. Oktober 2019 wird für immer einen speziellen Platz im Kalender der Frauen haben», schrieb die staatliche Nachrichtenagentur IRNA.

Auch zahlreiche iranische Fußballer hatten sich für die Aufhebung des fast 40-jährigen Stadionverbots eingesetzt, unter ihnen Irans Rekordnationalspieler und ehemaliger Bundesliga-Profi Ali Daei. «Gott sei Dank, dass den Frauen dieses minimale Recht endlich gewährt wurde … obgleich auf Druck der FIFA», schrieb Daei auf seiner Instagram-Seite. Der Fußball-Weltverband hatte dem Iran indirekt mit einem Ausschluss von der WM 2022 in Katar gedroht, falls Frauen der Zutritt ins Stadion weiterhin verboten werden sollte.

Schon vier Stunden vor dem Spiel kamen die Frauen mit Iran-Flaggen umhüllt und «Victory»-Zeichen im Asadi Sportkomplex an. Einige von ihnen weinten gar vor Glück. Unter dem Hashtag «Komm mit mir ins Stadion» reflektierten sie mit Bildern und Videos ihren ersten Stadionbesuch – und den damit verbundenen historischen Tabubruch.

Für die Frauen hatte das Sportministerium vier separate Tribünen mit einer Kapazität von ungefähr 4000 Sitzen errichtet. Außerdem wurden extra für die Frauen weibliche Polizisten, Notärzte und Stadionführer eingesetzt. Die Frauen-Tickets war in kürzester Zeit ausverkauft. Daher fordern die Frauen für die nächsten Spiele zumindest zwei weitere Tribünen und ein höheres Ticketkontingent.

Für Kritik sorgten die extra für das Spiel umgebauten Zäune, die die vier Frauentribünen von denen der Männer trennen sollen. «Wollt ihr uns etwa in einen Käfig sperren, um uns vor den Männern zu schützen», protestierte eine Iranerin auf Twitter. Außerdem fordern sie vom Sportministerium Familien- und nicht nur Frauentribünen, damit auch ihre Ehemänner und Söhne sie begleiten können.

Wegen der Frauen-Premiere war auch das Medieninteresse sehr groß. Es gab jedoch Einschränkungen seitens der Behörden. Weiblichen Fotografen wurden keine Akkreditierungen gewährt, obwohl dies vom Sportministerium vorher versprochen worden war. Die männlichen Fotografen und TV-Teams durften zudem keine Bilder der Frauen vom Betreten des Stadions machen.

Quelle: stern.de

Karriere-Ende: Fünf Momente mit Bastian Schweinsteiger, die wir nicht vergessen werden

Nach 17 Jahren im Profifußball hat Bastian Schweinsteiger sein Karriereende bekanntgegeben. Das Spiel mit dem US-Verein Chicago Fire bei Orlando City (5:2) war das letzte seiner Laufbahn, teilte Schweinsteiger mit. Im Alter von 35 Jahren hängt einer der größten und erfolgreichsten deutschen Fußballer seine Schuhe an den Nagel.

121 Länderspiele, 342 Bundesligaspiele, achtmal Deutscher Meister, siebenmal DFB-Pokalsieger, Gewinner der Champions League und der Europa League und 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft auch Weltmeister – das sind die Eckdaten, die Schweinsteigers Karriere zusammenfassen. Zu seinem Karriereende aber schießen den meisten Fans weniger diese Zahlen durch den Kopf als viele spezielle Momente, für die Schweinsteiger während seiner Karriere sorgte. Wir haben fünf zusammengetragen.

1. Die Cousine im Whirlpool

Schweinsteiger hatte beim FC Bayern, für den er seit der Jugend bis zum Jahr 2015 insgesamt 17 Jahre lang spielte, viele extravagante Kollegen, die gern für den einen oder anderen Skandal sorgten. Doch auch Schweinsteiger war zumindest in seinen jungen Jahren – in einer Zeit, als ihn jeder noch „Schweini“ nannte – mitunter kein Kind von Traurigkeit. Eine Episode verbinden viele Fans sofort mit seinem Namen: 2002, als Schweinsteiger gerade zur Profimannschaft gestoßen war, wurde er nachts mit weiblicher Begleitung im Bayern-Whirlpool erwischt. Schweinsteiger redete sich damit heraus, er habe seiner Cousine den Profitrakt zeigen wollen. Der damalige Trainer Ottmar Hitzfeld drückte ein Auge zu und verzichtete auf eine Geldstrafe.Bastian Schweinsteiger beendet Fußball-Karriere

2. Schweini und Poldi – ziemlich beste Freunde

Sie waren die Gesichter des Sommermärchens 2006: Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski strahlten in jenem deutschen WM-Sommer mit der Sonne um die Wette und überzeugten auch auf dem Platz mit Spielfreude und Tempo. Gemeinsam verkörperten sie den neuen Spaß am DFB-Team, der die Zeit des Rumpelfußballs beendete. Schweinsteiger und Podolski hatten beide schon die EM 2004, bei der Deutschland in der Vorrunde ausgeschieden war, als Nachwuchsspieler miterlebt. Mit ihnen begann eine neue Ära in der jüngeren DFB-Geschichte.

Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski bei der WM 2006
© Herbert Rudel

3. Der verschossene Elfmeter im „Finale dahoam“

Es war der große Traum für Bastian Schweinsteiger: Im „Finale dahoam“ wollte der Ur-Bayer in der Münchner Allianz Arena mit dem FC Bayern endlich die Champions League gewinnen. Dass es 2012 aber noch nichts mit dem heißersehnten Titel wurde, lag im Endspiel zu einem großen Teil auch an Schweinsteiger selbst. Ausgerechnet er scheiterte gegen den FC Chelsea im Elfmeterschießen am Pfosten. Hinterher war er so niedergeschlagen, dass er bei der Medaillenübergabe selbst die ausgestreckte Hand des Bundespräsidenten Joachim Gauck übersah. Den Champions-League-Pokal durften Schweinsteiger und die Bayern ein Jahr später in die Höhe stemmen.

Bastian Schweinsteiger nach seinem verschossenen Elfmeter im Champions-League-Finale
© firo Sportphoto/

4. Die „Chefchen“-Affäre

Von Anfang an war Bastian Schweinsteiger es gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen und von dieser oft auch kritisch wahrgenommen zu werden. Eine Schlagzeile aber ärgerte ihn besonders: Die Zeitschrift „Sport Bild“ betitelte ihn 2011 abwertend als „Chefchen“. Schweinsteiger bringe in den wichtigen Spielen nicht seine Leistung und sei kein Führungsspieler, bemängelte das Blatt. Der Bayern-Spieler reagierte mit einem Wutausbruch auf einer Pressekonferenz und bezeichnete den Reporter als „Pisser“ und „Arschloch“. Auch der Verein widersprach in einer Pressemitteilung. Im Nachhinein gesehen gab Schweinsteiger die Antwort auf dem Platz. Nach dem WM-Titel 2014 zog „Sport Bild“ die Bezeichnung offiziell zurück – ab da galt Schweinsteiger überall uneingeschränkt als Chef auf und neben dem Platz.

5. Blutend zum WM-Titel

Sein wichtigstes Spiel war auch sein bestes. Im WM-Finale 2014 lieferte Bastian Schweinsteiger nicht nur fußballerisch, sondern vor allem kämpferisch eine beeindruckende Leistung. Nach einem Schlag seines argentinischen Gegenspielers Sergio Agüero spielte der DFB-Kapitän mit einer notdürftig verbundenen Platzwunde zu Ende, in der Verlängerung plagten ihn Krämpfe.

© Foto RAUCHENSTEINER/

So wurde Schweinsteiger in jener Nacht von Rio de Janeiro endgültig zum Sinnbild der vielzitierten deutschen Tugenden und zum Helden, der auch die letzten Kritiker überzeugte. Als Lohn durfte er nach dem Spiel den WM-Pokal entgegennehmen – der Höhepunkt einer bewegten und bewegenden Karriere.

Quelle: stern.de

Weltmeister beendet Karriere: Bastian Schweinsteiger: Der Größte geht

Für diesen Abschied hatte er einen langen Anlauf genommen. Bastian Schweinsteiger, der leidenschaftliche Kämpfer, hatte noch ein letztes Mal alles gegeben: Um bei der EM 2016 in Frankreich dabei zu sein und mit Deutschland diesen einzigen großen Titel zu holen, der dem Kapitän in seiner Karriere bisher versagt blieb. Inzwischen wissen wir längst: Es hat nicht sollen sein, wie Schweinsteiger damals selbst in einem Brief an die Fans schrieb. So kam der Rücktritt des damals 31-Jährigen im Anschluss an das Turnier auch nicht unbedingt überraschend – und doch machte er Millionen deutsche Fußball-Fans ganz besonders traurig. Genau so traurig, wie sie heute noch einmal sein werden, am Tag seines endgültigen Rückzugs aus dem Fußballgeschäft.

Bastian Schweinsteiger war mehr als ein erfolgreicher Nationalspieler – er war die Seele des deutschen Teams: Spaßvogel, erhabener Kämpfer, später väterlicher Freund. Seine Karriere bestand immer aus harten Kämpfen gegen überzogene Kritiken (die unsägliche Chefchen-Debatte), Dämonen der Vergangenheit (sein verschossener Elfmeter gegen Chelsea im Champions-League-Finale 2012) und ein vermeintliches Verlierer-Image im Nationaltrikot (zu viele verlorene Halbfinals).

Reaktionen_Ruecktritt_Schweini

Bastian Schweinsteiger: Karriere eines Kämpfers

Schweinsteiger hat die eine oder andere Träne vergossen auf dem Weg, aber am Ende jeden dieser Kämpfe für sich entschieden. Größere Nehmerqualitäten waren im DFB-Trikot selten zu bestaunen. Schweinsteiger stand immer wieder auf. Exemplarisch dafür steht natürlich das WM-Finale 2014 gegen Argentinien: Ein blutender Wolf mit grauen Schläfen, dem sie von ihm aus alles nehmen können – nur dieses eine Spiel, das gibt er um keinen Preis der Welt verloren. Die Quintessenz einer Kämpferkarriere.

Bastian Schweinsteiger_9.50Nicht nur deshalb bedeutet sein Abschied eine Zäsur in der Geschichte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Wie kein anderer Spieler steht der frühere „Schweini“ für den Wandel, den der deutsche Fußball in den letzten anderthalb Jahrzehnten vollzogen hat – weil er das Bindeglied darstellte zwischen der guten, alten Zeit und der glanzvollen neuen. Weil er noch mit Wörns, Ziege und Hamann spielte, als er mit 19 Jahren zum ersten Mal nominiert wurde. Und weil er später Leitfigur für die nachfolgenden Talente und U-21-Europameister wurde, auch für heutige Häuptlinge wie Neuer, Müller, Hummels. Er war der Größte dieser Zeit. Vielleicht nicht der beste Spieler, das war wohl Philipp Lahm. Aber Schweinsteiger war die größte Symbolfigur – der Fritz Walter, Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus seiner Weltmeistergeneration.

Entsprechend lässt sich Schweinsteigers gesamte Karriere in zwei Hälften teilen: Den frühen Jahren, in denen er immer wahrgenommen wurde als Frechdachs, der nicht erwachsen werden wollte – mit der „Cousine“ im Whirlpool an der Säbener Straße, mit dem Iro zur EM 2008, solche Geschichten; und in das Spätwerk, als er sich um die Jahrzehntwende unter dem damaligen Bayern-Trainer Louis van Gaal als Sechser neu erfand und endgültig zu einem der besten Mittelfeldspieler der Welt wurde. Auch in der Nationalelf war er fortan wertvoller denn je, führte in Abwesenheit des alten Kapitäns Michael Ballack als immer noch junger Routinier eine aufstrebende Truppe zusammen mit Lahm von den rauschhaften Siegen bei der WM 2010 schließlich bis nach Rio. 29-Kapitän Schweinsteiger tritt aus Nationalmannschaft zurück-5061102770001

„Es war mir eine Ehre, für euch spielen zu dürfen!“ 

Ein bisschen paradox mutet es bis heute an, dass Schweinsteiger zeit seiner Karriere immer viel zu kritisch gesehen wurde: Wenn es mal nicht lief, war er für Modefans und Krawallpresse oft das nächstbeste Opfer – auch, weil der späte Schweinsteiger so mannschaftsdienlich agierte, dass es manchmal an Selbstvergessenheit grenzte und auf der Fanmeile oder am Tresen gerne übersehen wurde. Zum Glück hat er sich mit dem epochalen Auftritt im WM-Finale selbst dafür entschädigt. Für wahre Fußballfans verkörperte er mit seiner Haltung und seinen Hochs und Tiefs zu diesem Zeitpunkt ohnehin längst alles, was große Spieler zur Legende qualifiziert. Schon sein Abschied vom DFB bedeutete 2016 auch das endgültige Ende einer mitreißenden Ära des Aufbruchs, die neben Schweinsteiger von den bereits zurückgetretenen Lahm, Klose und Mertesacker geprägt wurde.Sport kompakt: Nachrichten aus der Welt des Sports_12.40Uhr

Schweinsteiger stand immer wieder auf – aber jetzt, nach weit mehr als einem Jahrzehnt auf höchstem Niveau (und einer Ehrenrunde in der US-amerikanischen Major League Soccer, wo er zuletzt bei Chicago Fire spielte), muss er all den Schlachten und seinem immer kraftraubenderen Spielstil endgültig Tribut zollen. Mit inzwischen 35 Jahren kommt dieses Ende für den längst ergrauten Schweinsteiger vielleicht sogar überfällig. Wie schrieb Schweinsteiger am Ende seiner DFB-Rücktrittserklärung 2016 direkt an die Fans: „Es war mir eine Ehre, für Euch spielen zu dürfen, vielen Dank für alles, was ich mit Euch erleben durfte!“

Ganz ehrlich, Bastian Schweinsteiger: Wir haben zu danken. Es war uns eine Ehre!

Dieser Text erschien in leicht abgeänderter Fassung erstmals anlässlich der Rücktrittserklärung von Bastian Schweinsteiger aus der deutschen Nationalmannschaft am 29. Juli 2016.

Quelle: stern.de

WM in Stuttgart: Biles führt US-Team mit Rekord-Medaille erneut zum Titel

Ausnahme-Turnerin Simone Biles hat ihr US-Team erneut zum Weltmeistertitel geführt. Mit der viermaligen Olympiasiegerin aus Texas kamen die Amerikanerinnen bei der WM in Stuttgart in der ausverkauften Hanns-Martin-Schleyer-Halle auf 172,330 Punkte und waren nicht zu schlagen.

Der Titelverteidiger gewann deutlich vor den Teams aus Russland (166,529) und dem Überraschungsdritten Italien (164,796). Die Italienerinnen verwiesen China (164,230) auf Rang vier und feierten ihre erste WM-Medaille seit 69 Jahren.

Die erst 22 Jahre alte Biles holte bereits ihr 15. WM-Goldmedaille. Mit nunmehr 21 WM-Medaillen ist der Wirbelwind nun alleinige Rekordhalterin. Zuvor war sie gleichauf mit der legendären russischen Turnerin Swetlana Chorkina gewesen, die auch 20 WM-Medaillen gewonnen hatte.

Die deutsche Mannschaft hatte das Finale der besten acht Mannschaften als Neunte der Qualifikation mit nur 34 Tausendstel Punkte Rückstand auf Italien hauchdünn verpasst. «Schade, dass es mit unserem Team nicht ganz gereicht hat», sagte die deutsche Mehrkampf-Meisterin Sarah Voss als Zaungast. Die 19 Jahre alte Kölnerin kann sich immerhin mit ihrer Teilnahme am Mehrkampf-Finale am Donnerstag trösten. Dort ist dann auch Elisabeth Seitz dabei.

Das US-Team begann am Sprung und setzte sich mit 45,166 Punkte sofort von der Konkurrenz ab. Anders als in der Qualifikation kann man sich keine Fehler erlauben, weil jeweils alle drei Turnerinnen einer Nation pro Gerät in die Wertung kommen und es keine Streichnote gibt. So fielen die Russinnen im zweiten Durchgang am Schwebebalken zurück, weil gleich zwei Turnerinnen vom Gerät mussten und am Ende nur 38,465 Punkte zu Buche standen. Damit büßten sie fast vorentscheidenden Boden im Medaillenkampf ein.

Biles dagegen setzte am Balken auf Sicherheit und turnte nicht, wie in der Qualifikation, den nach ihr benannte Doppelsalto-Abgang mit zwei Schrauben, sondern nur mit einer Längsachsendrehung. So gingen die Titelverteidigerinnen mit einem satten Vorsprung von zweieinhalb Punkten vor den überraschend starken Italienerinnen und China in den vierten und abschließenden Durchgang. Die Russinnen hatten sich mit soliden Präsentationen ans Podium herangekämpft und lagen wieder in Lauerstellung.

Den spektakulären Höhepunkt des Nachmittags lieferte dann noch einmal Biles. Mit ihrer unfassbaren Bodenübung inklusive Triple-Double, für die sie den Topwert von 15,333 Punkten erhielt, brachte sie den WM-Titel unter dem Jubel der Turnfans unter Dach und Fach.

Quelle: stern.de

EM-Qualifikation: Kantersieg in Griechenland: DFB-Frauen bauen Serie aus

Arbeitssieg statt Torfestival: Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft hat im letzten Pflichtspiel des Jahres mit einem 5:0 (2:0) in Griechenland ihre makellose Bilanz in der EM-Qualifikation ausgebaut.

Alexandra Popp (33. Minute), Lena Oberdorf (40.), Sandra Starke mit ihrem ersten Tor im ersten Länderspiel (65.), Pauline Bremer (75.) und Klara Bühl (90.) erzielten am Dienstag in Thessaloniki die Tore zum zwar hochverdienten, aber insgesamt wenig glanzvollen Erfolg der Auswahl von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

«Wir haben die maximale Punktausbeute, immer noch die Null stehen und 31 Tore geschossen. Da muss man uns vielleicht auch mal zugestehen, eine etwas schwächere Leistung heute gezeigt zu haben», sagte Voss-Tecklenburg, die «vor allem in der ersten Halbzeit ein schwieriges Spiel und wenig Dynamik» gesehen hatte.

Nach dem 10:0 gegen Montenegro und den beiden 8:0-Siegen gegen die Ukraine führen die Deutschen ihre Qualifikationsgruppe I für die Europameisterschaft 2021 in England mit zwölf Punkten und 31:0 Toren souverän an. Zum Abschluss des Jahres mit dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus bei der WM in Frankreich und der verpassten Olympia-Teilnahme steht noch am 9. November ein Testspiel in England an. In der EM-Quali geht es erst am 11. April gegen Irland weiter.

«So ein bisschen wird das eine Wundertüte heute», sagte Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter Nationalmannschaften beim Deutschen Fußball-Bund, vor dem Anpfiff im ZDF über das erste Duell einer DFB-Frauen-Auswahl gegen Griechenland. Ihr bis dato letztes offizielles Spiel hatten die Griechinnen im vergangenen Jahr bestritten, in der EM-Qualifikation war es ihr erster Auftritt.

Doch im Gegensatz zu den Teams aus Montenegro und der Ukraine gestatteten die Griechinnen dem großen Favoriten anfangs kaum Tormöglichkeiten und erwiesen sich als der bislang härteste Kontrahent in der EM-Qualifikation. Mit nur einer Spitze und zwei kompakten Abwehrreihen verteidigten die Gastgeber geschickt.

Die 18 Jahre alte Bühl, gegen die Ukraine am Samstag in Aachen noch Dreifach-Torschützin, scheiterte mit einem Kopfball an Torhüterin Anthi Papakonstantinou (17.) – ansonsten passierte in der ersten halben Stunde erstaunlich wenig im Strafraum der Griechinnen.

Voss-Tecklenburg hatte ihr System von 4-3-3 auf 3-5-2 verändert und in Melanie Leupolz und Turid Knaak zwei Neue für Giulia Gwinn und Felicitas Rauch gebracht. Schwungvoll wirkte der Auftritt aber nicht. Bis zum Führungstreffer dauerte es bis zur 33. Minute, als Popp ein schönes Zuspiel von Knaak mit einem feinen Linksschuss zum 1:0 veredelte. Mit ihrem zweiten Länderspieltor erhöhte die 17 Jahre alte Oberdorf zum 2:0. «Wir haben keine Passschärfe und besetzen die Außen nicht gut genug», kritisierte Chatzialexiou zur Pause.

Voss-Tecklenburg brachte für die zweite Halbzeit Starke im Angriff, wenig später kamen auch noch Bremer und Gwinn als frische Kräfte in das Spiel. Lena Magull scheiterte noch an der Latte (48.), dann rechtfertigten Starke und Bremer ihre Einwechslungen mit Toren. Nur einmal musste die deutsche Torhüterin Merle Frohms eingreifen, als sie einen harmlosen Schuss von Sofia Koggouli (84.) fangen konnte.

Quelle: stern.de

Handball-Bundesliga: Siegesserie beendet: Hannover kassiert erste Niederlage

Nun hat es auch den Spitzenreiter erwischt: Die Siegesserie der bisher ungeschlagenen TSV Hannover-Burgdorf in der Handball-Bundesliga ist von der MT Melsungen gestoppt worden.

Die Niedersachsen verloren bei den Nordhessen mit 25:31 (15:17), führen die Tabelle mit 14:2 Punkten aber weiter vor den Rhein-Neckar Löwen (12:4) an. Dank einer 13-Tore-Gala von DHB-Kapitän Uwe Gensheimer kamen die Mannheimer gegen die HSG Wetzlar zu einem 29:26 (15:9).

Dahinter folgen Meister SG Flensburg-Handewitt nach einem 27:23 (12:9) gegen die Füchse Berlin und Melsungen mit jeweils 11:5 Zählern. Weiter oben dran bleibt auch Pokalsieger THW Kiel, der beim TBV Lemgo Lippe mit 30:27 (17:12) die Oberhand behielt. Der Rekordmeister, der zwei Spiele weniger als die Rivalen bestritten hat und in Niclas Ekberg (10 Tore) seinen besten Werfer hatte, verfügt als Fünfter über 10:2 Punkte.

In Kassel lieferten sich Melsungen und Hannover ein tempo- und torreiches Topspiel, in dem sich die Nordhessen nach der Pause absetzen konnten. Beim Spitzenreiter, der zuletzt in der Liga und im Pokal mit zwei Siegen gegen Flensburg geglänzt hatte, wurde vor allem der verletzte Regisseur Morten Olsen (Wade) vermisst. «Wir hatten in der Abwehr keinen Zugriff», sagte TSV-Nationalspieler Fabian Böhm, der sechs Tore erzielte. «31 Gegentore sind nicht unser Anspruch.»

Bester MT-Schütze war der im Sommer aus Hannover gekommene Nationalspieler Kai Häfner mit sieben Toren. «Es freut uns natürlich, dass wir jetzt Vierter sind», sagte der Rückraumspieler. Zudem glänzte Torwart Nebojsa Simic, der unter anderem drei Siebenmeter parierte. Entsprechend zufrieden war Melsungens Trainer Heiko Grimm: «Es freut mich, dass wir die Partie relativ deutlich für uns entscheiden konnten. Wir sind aber gut beraten, demütig zu bleiben.»

Gut erholt von der Doppel-Pleite gegen Hannover zeigte sich der Titelverteidiger aus Flensburg, der das Duell mit den Füchsen Berlin dank einer Steigerung nach der Pause souverän für sich entschied. «Das war heute wieder mehr SG als die beiden Spiele gegen Hannover», stellte Trainer Maik Machulla zufrieden fest. «Wir haben leidenschaftlich verteidigt und eine große Bereitschaft gezeigt.»

Vor 6204 Zuschauern waren Nationalspieler Johannes Golla, dessen Vertrag vor der Partie bis 2023 verlängert wurde, Lasse Svan, Göran Johannessen und Magnus Röd mit je fünf Treffern beste Werfer bei den Hausherren. Erst in der Schlussphase ließ die SG im Vorgefühl des sicheren Sieges die Zügel schleifen. «Da haben wir das Gas zu doll rausgenommen», monierte Machulla.

Quelle: stern.de